10 Zeichen, woran Sie erkennen, dass Sie ein Perfektionist sind 

 Februar 14, 2020

By  Guido Wehrle

Perfektion ist doch eine feine Sache. Perfekt ist viel besser als gut und eine perfekte Leistung findet allgemeine Anerkennung. Es mag auch Gebiete geben, in denen nur Spitzenleistungen den gewünschten Erfolg bringen. Zum Beispiel bei Leistungssportlern oder auch Opernsängern zum Beispiel. Im Alltagsleben behindert uns der Perfektionismus jedoch. Er kann sogar dazu führen, dass unsere Leistung gegen Null tendiert und wir uns in unwichtigen Details verlieren. Erfahren Sie hier, woran Sie erkennen, dass Sie ein Perfektionist sind.

Der Perfektionist steuert direkt in die Prokrastination: Stichpunkt Aufschieberitis

Perfekt sein, wer möchte das nicht? Bereits in der Schule lernen wir, dass wir nur mit einer perfekten Leistung eine sehr gute Schulnote erreichen. In der Partnerschaft kann es passieren, dass wir perfekte Ansprüche an unseren Partner stellen. Erfüllt er diese nicht reagieren wir enttäuscht. Im Berufsleben verlangt unser Chef, dass wir unsere Aufgaben schnell und ohne Fehler erledigen. Allenthalben begegnen wir dem Begriff der Perfektion. Auf der anderen Seite merken wir jeden Tag, dass das Streben nach Perfektion unglaublich zeit- und nervenaufreibend sein kann. Mitunter kann alles in einen Perfektionswahn münden, der uns regelrecht lähmt und geradeaus in die Prokrastination führt.

Warum es überhaupt nicht erstrebenswert ist, ein Perfektionist zu sein

Wie wir bereits aus dem Pareto Prinzip wissen, kostet Perfektion unglaublich viel Zeit. Das Verhältnis von guter Leistung zu einer perfekten Leistung beträgt 80:20. Von daher ist Perfektion ein Zeitkiller und in 80% aller Aufgabenstellungen ist eine gute Leistung absolut ausreichend.
Perfektionisten erreichen in der Praxis deutlich weniger und setzen sich unter wesentlich höheren Stress als dies Personen, die klar ein Ziel definieren und mit Plan an dessen Erreichung arbeiten. Nur wird der Perfektionist in der Regel sein Ziel nicht erreichen, da er bereits bei jedem Zwischenschritt die 100% Messlatte anlegt und sich bereits dort in unwichtigen Details verliert. Die zielstrebige Peron, die sich an den 80% Erfolgen der einzelnen Zwischenetappen erfreut, erreicht sein Ziel zuverlässig. Dem Perfektionist wird das nie oder erst nach sehr, sehr langer Zeit gelingen. Die Gefahr der Frustration bis hin zu ernsthaften psychischen Erkrankungen ist hoch.

Die 10 Anzeichen der Perfektionismus 

1. Alles oder nichts (Entweder oder) Denken

„Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig oder gar nicht!“ – „Entweder ich erfülle diese Aufgabe oder ich bin gescheitert!“
Der Perfektionist kennt nur zwei mögliche Ausgänge einer Aufgabe. Entweder er erreicht das Ziel mit Bravour oder er hat versagt. Hierin unterscheidet er sich von erfolgsorientierten Persönlichkeiten, die sich über gut (aber eben nicht perfekt) erreichte Zwischenziele freuen. Diese Freude über ein erreichtes Zwischenziel bewirkt im Körper eine Ausschüttung von Glückshormonen. Diese wiederum bewirken eine Euphorie, die den Weg zur nächsten Zwischenetappe beflügeln.
Während der „Überflieger“ Zwischenetappe über Zwischenetappe seinem Gesamtziel immer näher rückt, grübelt der Perfektionist noch immer an unwichtigen Details der ersten Zwischenetappe. Nur gut zu sein ist zu wenig. Er möchte perfekt sein. Alles andere zählt nicht.
Wenn Sie an sich dieses gefährliche „Alles oder Nichts“-Denken bemerken ist dies bereits ein deutliches Anzeichen dafür, ein Perfektionist zu sein.

2. Übersteigerte Kritik an sich selbst und anderen

Während der Erfolgsmensch zielorientiert und selbstbewusst auftritt, bewegt sich der Perfektionist sehr kritisch. Er legt hohe Maßstäbe an sich selbst und an seine Umgebung. Bereits kleinste Fehler können ihn aus der Ruhe und aus der Fassung bringen.
Wenn auch nur irgendeine Kleinigkeit nicht so läuft, wie sie sollte, wird kritisch hinterfragt. Diese übersteigerte Kritik an unwichtigen Details kann schnell dazu führen, dass eine große Unzufriedenheit im Perfektionisten aufsteigt. Diese Unzufriedenheit führt zu einer geringeren Motivation oder zur Aufschieberits. Warum sollte ich eine unwichtige Teilaufgabe jetzt erledigen, wenn ich diese gerade eh nicht zu 100% erledigen kann?

3. Ziel als Belohnung oder als Belastung?

Ich unterscheide immer gerne zwischen Perfektionisten und „Erfolgsmenschen“. Ich weiß, dass viele ein Problem mit der Bezeichnung „Erfolgsmensch“ haben. Doch wenn Sie sich einmal die Biografien erfolgreicher Menschen durchlesen, werden Sie immer wieder darauf stoßen mit welcher Beharrlichkeit und auch Freude diese ihren Weg gegangen sind. Für Perfektionismus blieb nie Platz. Erfolgsmenschen sehen das Ziel als Belohnung an. Perfektionisten hingegen eher als Bedrohung. Insbesondere dann, wenn das Gesamtziel noch in weiter ferne scheint.

4. Unrealistische Ziele

Der Erfolgsmensch setzt sich hohe, aber erreichbare Ziele. Der Perfektionist hingegen neigt dazu, sich unrealistische Ziele zu setzen, die gar nicht erreichbar sind. Deswegen sollte bei der Auswahl seines Ziels auch immer auf die Chancen der Verwirklichung geachtet werden.

5. Das Ziel nicht aus dem Fokus verlieren, sich an unwichtigen Kleinigkeiten aufhalten.

Verhedderst Du Dich öfter in unwichtigen Kleinigkeiten und weißt eigentlich gar nicht mehr, was Du jetzt eigentlich tust? Dann ist das ein typisches Anzeichen dafür, dass Du Dein Hauptziel aus den Augen verloren hast. Das Streben nach Vollkommenheit hat bereits dazu geführt, dass Du schnurstracks den Weg in die Frustration gehst. Du gehst zu Bett, lässt Deinen Tag Revue passieren und frägst Dich: Was habe ich denn heute überhaupt erreicht?
Mit Techniken aus dem Zeitmanagement lassen sich nach und nach die negativen Auswirkungen des Perfektionswahns bekämpfen.

6. Deprimiert durch unerfüllte Ziele

Das ist die logische Folge aus den Vollkommenheitswahnsinn. Ziele werden nicht erreicht und daraus entstehen Depressionen. Dies kann tatsächlich bis hin zu psychischen Erkrankungen führen, bei denen dann eine Behandlung durch Spezialisten notwendig wird.

7. Angst vor dem Scheitern

Angst vor dem Scheitern hat natürlich jeder in unterschiedlicher Intensität. Diese Angst an sich ist auch gar nichts Schlimmes. Vielmehr ist das ein natürlicher Schutzmechanismus, der uns daran hindert, allzu hasardeurmäßig an eine Aufgabe heran zu gehen. 
Lähmt diese Angst vor dem Scheitern allerdings unser Handeln, dann haben wir den Zustand der Prokrastination erreicht. Nichts geht mehr. Wir sind ausgebrannt. Unmöglich ist es jetzt, auch nur ein noch so winziges Ziel zu erreichen.
Es liegt auf der Hand, dass der Perfektionist viel gefährdeter ist. Er stellt die höchsten Ansprüche an sein Handeln und damit erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit dramatisch, seinen eigenen Perfektionsvorstellungen nicht gerecht zu werden.

8. Aufschieberitis, Prokrastination – „Morgen ist auch noch ein Tag“

Ich habe es hier bereits mehrfach angesprochen. Wer perfekt sein möchte, neigt dazu die Dinge aufzuschieben. Werden wichtige Dinge aufgeschoben ist das Erreichen des Zieles gefährdet. Was Sie innerhalb von 72 Stunden nicht in Angriff nehmen, werden Sie in aller Regel niemals mehr beginnen. 
Prokrastination ist der größte Fein aller Projekte und Unternehmungen. Naturgemäß neigen Perfektionisten hierzu in besonderem Maße.

9. Keine Kritikfähigkeit

Der Perfektionist stellt so hohe Ansprüche an seine Handlungen und an die seiner Umwelt, dass er es außerhalb des Denkbaren ansieht hierfür kritisiert zu werden. Es ist daher ein gängiges Phänomen, dass Perfektionisten wenig bis überhaupt nicht kritikfähig sind.

10. Geringes Selbstwertgefühl

Das Streben nach Vollkommenheit kann schnell zu einem geringen Selbstwertgefühl und zu wenig Selbstbewusstsein führen. Wer überall vollkommen sein möchte, wird nur wenige Aufgaben zur eigenen Zufriedenheit erfüllen können. Es fehlen die Erfolgserlebnisse.
„Ich erreiche ja eh nie, was ich wollte!“, „Ich bin nichts wert!“ oder „ich habe doch immer gewusst, dass ich dieses Ziel nicht erreichen kann!“. Sicherlich kennen Sie diese Glaubenssätze. Diese können sich so tief durchsetzen, dass dies in einer Spirale hinab in geringes Selbstwertgefühl führen kann. Um da wieder herauszukommen, wird man einige seiner Glaubenssätze hinterfragen und gegebenenfalls austauschen müssen.

Guido Wehrle


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